Hallo ihr Großen,

erinnert ihr euch noch wie´s war, bevor ich
zur Welt kam ?

Ihr hattet schon recht genaue und schöne
Vorstellungen,
wie das Leben mit mir so aussehen würde:
Voller Stolz wolltet ihr mit mir in die Welt
hinausziehen,
nett angezogen sollte ich sein
und alle wohlwollenden Blicke auf mich
ziehen.
Ihr stelltet euch ein Leben vor, das zwar
anders wäre
als vorher, aber sehr schön, voller Freude,
Spaß und
Harmonie.
Ihr hattet euch überlegt wieder zu arbeiten
oder zu
studieren, und .......
....ihr wolltet auf jeden Fall nicht
vergessen, euch
selbst zu verwirklichen.
Euch war klar, dass die erste Zeit
anstrengend sein
würde, doch ihr ward gewiss, dies würde
vergehen, ich
würde immer selbständiger werden und somit
das Leben
mit mir immer einfacher.

Ganz so wurden eure Erwartungen nicht
erfüllt, als ich
das Licht der Welt erblickte, denn .....

.... ich bin anders als ihr es euch in euren
Träumen
vorgestellt habt.

Vielleicht sehe ich anders aus, vielleicht
musste ich
länger im Krankenhaus bleiben, vielleicht
habe ich
besonders viel geschrien, vielleicht musste
ich
sofort
operiert werden, vielleicht funktioniert mein
Körper
nicht so wie es sein sollte ...
vielleicht ...?

Auf jeden Fall war alles anders als gedacht
und ich
brauchte von Anfang an eure volle
Konzentration und
Kraft, kostete mehr Zeit, brachte viel Hektik
und
Stress mit und wir konnten uns so gar nicht
richtig
genießen, denn die Sorgen um mich waren
groß.

Mit der Zeit gewöhnten wir uns aneinander.
Die Sorgen
wurden nicht kleiner, aber wir lernten damit
zu leben,
auch wenn immer Neues hinzu kam.
So kann es sein, das uns einige Menschen so
komisch
ansehen, wenn ihr mit mir nach draußen geht.
Einige wollen vielleicht gar nicht mit uns
zusammen
sein, weil ich ihnen Angst mache und dann
gibt es doch
tatsächlich Menschen, die euch die Schuld an
meinem
Anders sein geben.
So ein Quatsch !

Manchmal merke ich, das ihr traurig seid und
darüber
nachdenkt, ob diese .... ( wie soll ich sie
nennen )
Menschen, Recht haben.
Ich spüre, dass diese Schuldgefühle ganz
schlecht für
euch sind und wünsche mir, dass sie euch
nicht zu sehr
vereinnahmen, denn ich weiß, das dies nicht
gut für
euch wäre.

Natürlich habt ihr Angst, vor dem was noch
passieren
könnte, die habe ich auch. Manchmal haben die
Sorgen
um
mich euch ganz und gar eingenommen und eure
Nerven
liegen blank. Das tut mir dann immer Dolle
leid. Ich
würde es so gern ändern , doch leider kann
ich an
meinem Zustand gar nichts tun.
Aber ...

Wie wäre es, wenn wir es einmal anders herum
sehen ?

Ich finde, wir haben ganz schön viel
geschafft und
wenn
ich es so recht bedenke, geht es mir auch
richtig gut.
Wenn ihr es jetzt schaffen würdet mir einfach
zu
vertrauen, dass ich meinen eigenen Weg gehen
werde, so
wie die anderen Kinder auch, dann wäre das
doch ein
erster Schritt. Auf die Art hättet ihr gleich
auch
viel mehr Freiraum und könntet wenigstens ab
und zu
die
Seele baumeln lassen.

Schaut euch doch mal an, was ich schon alles
hinter
mir
habe !
Findet ihr nicht, dass ich ganz schön tapfer
und zäh
bin?!

Klar, immer find ich mein Leben auch nicht so
toll und
oft würde ich auch gerne sein wie die anderen
.
Jedoch:
auch die sind ganz schön verschieden und
können auch
nicht immer gleich viel.

Ich glaube, das wichtigste ist doch, das wir
uns lieb
haben, egal wie ich bin, denn dann können wir
jede
Hürde im Leben nehmen.

Und bis jetzt haben wir das alles ganz schön
gut
hingekriegt, ich bin ein glückliches,
zufriedenes,
geborgenes und fröhliches Kind mit Eltern,
auf die ich
mich immer verlassen kann.

Ich bin ganz schön stolz auf euch....

Und ihr könnt es auch sein !

verfasser unbekannt