Unser Wunschind


Am 22. Januar um 14.00 Uhr teilte mir meine Frauenärztin mit, dass ich schwanger bin!
Nun hatten wir es nach drei Schwangerschaftstests auch endlich schwarz auf weiß.
Juhu :0), unser Wunschkind ist unterwegs.
Meine Frauenärztin hat mir bei jeder Kontrolluntersuchung gesagt, dass mit unserem Kind alles in Ordnung sei,  er sich "normal" entwickelt und völlig gesund sei. Zudem vermutete sie immer wieder, dass es ein Mädchen werden würde, konnte es aber im Ultraschall nie richtig darstellen.

Wie sich heraus stellte, lag sie nicht nur mit d
em Geschlecht, sondern auch mit ihren weiteren Diagnosen falsch.

Nur durch die Geburt eines Kindes im Bekanntenkreis mit Mund-Kiefer-Gaumen-Spalte, haben wir ohne Verdacht bei unserem Baby eine Feindiagnostik machen lassen. 


Am 22. Juni 2007 war es dann soweit. Es war Babykino-Tag und wir fuhren zum  Feinultraschall  in die Klinik.
Alles verlief nach den ersten Untersuchungen gut und der Arzt fragte uns auch, ob wir schon wissen, was es werden würde, da er gerade das Geschlechtsorgang gut darstellen könne. Wir gaben ihm zur Antwort, dass es sich anhand der Herzgeräusche laut unserer Hebamme um ein Mädchen handeltn könnte. Der Arzt fing aufgrund dieser Anwort an zu lachen und sagte, dass man  anhand von Herzgräuschen definitiv nicht das Geschlecht bestimmen könne. Nachdem wir aber doch wissen wollten, was wir erwarten, gab er uns die freudige Auskunft, dass wir einen Jungen bekommen würden.


Papa grinste und strahlte über das ganze Gesicht. Diese Freude darüber werde ich nie vergessen. Wir waren uns gleich einig das unser Sohn  Felix heißen soll.

Während der Untersuchung sagte der Doktor, dass auf den ersten Blick herztechnisch alles in Ordnung sei, er aber mit seinem Gerät in einem anderen Winkel (5-Kammer-Blick)  auf das Herz schauen könne. Nachdem  Felix aber für die Schallmethode ungüstig lag,  und der Arzt deshalb nichts sehen konnte, schickte er uns einfach Treppen steigen, in der Hoffnung, dass sich Felix im Bauch drehen würde. Als wir uns auf den Weg zu den Treppen machte, meinter der Arzt noch, dass bei einem positiven 4-Kammer-Blick der 5-Kammer-Blick zu 98% ebenfalls positiv ausfallen würde.


Also gingen wir  20 Minuten Treppen steigen in der Hoffnung, dass sich unser Schatz noch drehen würde.
Pünktlich nach 20 Minuten gingen wir wieder zurück ins Untersuchungszimmer und siehe da,, Felix hatte sich tatsächlich gedreht.

Der Arzt schallte und schallte und wie wir auch als Laien erkennten konnten, war es immer die gleiche Stelle. Nämlich das Herz.  Der Gesichtsausdruck des Arztes wurde auch immer ernster und wir wussten insgeheim, dass etwas nicht stimmen würde.

Nach Ende der Untersuchungen sagte er, dass ich mich aufrichten solle und er mir was wichtiges sagen müsse.
Kaum hatte er den Satz ausgesprochen fehlte mir schon die Luft zum atmen, aber es kam noch schlimmer.

Der Doktor sagte zu uns, dass unser Kind einen sehr schweren Herzfehler hätte. Wir konnten gar nicht glauben was wir hier hörten und brachen sofort in Tränen aus.  
Auf die Frage ob unser Kind überhaupt lebensfähig sei bekamen wir die Antwort, dass er hierzu nicht befugt sei,  weitere Diagnosen / Prognosen stellen zu dürfen.  Vielmehr verwies er uns an unsere Frauenärztin, wo wir am Montag vorstellig werden sollten.  Heute war es aber erst Freitag und wie sollten wir die Ungewissheit über die Zukunft, Angst um unser Baby bis Montag aushalten?
Ab jetzt waren wir mit unsrem Schmerz auf uns allein gestellt! Wir waren am Boden zerstört und nur noch am weinen? Wie wird es jetzt weiter gehen?????

Unsere eben noch so heile und glückliche Welt brach in sich zusammen und wir fielen in ein tiefes, tiefes Loch. Wie wir uns in diesem Moment gefühlt haben, kann man nicht wirklich beschreiben, es tat furchtbar  weh. Und man merkt erst dann, wenn das Schicksal schon zugeschlagen hat, dass es jeden treffen kann, auch einen selbst.

Immer noch weinend zuhause angekommen setzte sich mein Mann vor den PC und gab die Diagnose des Arztes (Hypoplastisches Linksherz-Syndrom) bei Google ein.
Doch das was wir dort lesen konnten, machte uns noch trauriger und ängstlicher.

Ich merkte wie ich Abstand zu meinem Bauch nahm. Im nachhinein tut mir mein Verhalten  auch sehr leid.
Ich konnte meinen Babybauch einfach nicht mehr streicheln.  Zu sehr saß der Schmerz in mir. Die Angst, dass mein Kind zu dem bekannten Herzfehler eventuell noch weitere Behinderung haben könnte oder sogar sterben könnte, raubte mir die Kraft und den  Glauben an das Gute im Leben.
Die Zeit bis Montag kam uns unendlich vor.
Als es endlich Montag war, gingen wir voller Hoffnung zu unserer Frauenärztin. Doch was uns da erwartete, haben wir uns nie Träumen lassen. Anstatt einfühlsamer Worte, wurde uns ins Gesicht gesagt, dass unser Kind keinerlei Überlebenschance hätte und wir doch sofort eine Fruchtwasseruntersuchung durchführen lassen sollten. Nachdem für uns so eine Untersuchung nicht in Frage kam, verließen wir völlig von der Aussage geschockt, die Praxis. Ein paar Tage später hatten wir einen Termin zum Ultraschall im Herzzentrum München.
Frau Prof. Oberhoffer erklärte uns, dass es sich nicht wie vermutet um ein hypoplastisches Linksherz-Syndrom, sondern um eine kritische Aortenstenose handeln würde. Kurzzeitig machte sich bei uns wieder Hoffnung breit. Aber als Frau Prof. Oberhoffer mit ihren Erklärungen weiter fortfuhr, stellte sich heraus, dass die Diagnose auch nicht positiver war, als zuvor und  lediglich das Kind nur einen anderen Namen bekommen hat.

Die Ärztin fragte uns auch, ob wir überhaupt das Kind aufgrund der Diagnose bekommen wollen oder einen Schangerschaftsabbruch wünschen.
Was für eine Frage? Ich war in der 26. SSW.  Ich habe unser Kind schon gespürt und es auch schon in mein Herz geschlossen.
Wir wollten unseren Felix auf jeden Fall die Chance zum Leben geben und nichts unversucht lassen.

 

Die Schwangerschaft war bis zu der schrecklichen Diagnose ohne Komplikationen und Ängste verlaufen. 

Viele sagten zu uns, dass wir doch froh sein sollen, dass wir es bereits vor der Geburt erfahren haben und wir uns nun darauf einstellen könnten. 

Aber auf was sollten wir uns einstellen? Wir und die Ärzte konnten ja auch nicht in die Zukunft schauen. Die restlichen Wochen der Schwangerschaft wurden immer mehr von Angst und Vorwürfen überschattet. 

Natürlich waren wir auch froh, dass wir die Diagnose bereits in der Schwangerschaft erfahren haben, so konnte Felix unmittelbar nach der Geburt medizinisch geholfen werden.  

Die nachfolgenden Ultraschalluntersuchungen wurden immer in München in der Klinik "Rechts der Isar" durchgeführt, wo ich mich auch eine Woche vor dem errechneten Termin zur Geburtseinleitung einfinden musste.